
Von Christoph Hüsken
Gefühlt kurz nach Weihnachten hat die Vorfreude auf die Cranger Kirmes bei mir eingesetzt. Das ist ein wenig früher gewesen als üblich, aber diesmal bin ich ja auch wieder näher dran am Rummel am Kanal als in den Jahren zuvor (ich bin von Hamburg zurück ins Ruhrgebiet gezogen).
Inzwischen trinke ich im Büro seit Wochen aus einer Cranger Kirmes-Tasse die tägliche Ration an Tee (vormittags) und Kaffee (nachmittags). Fehlt nur noch, dass ich das Mineralwasser dazu aus einem bauchigen Glas im Steinmeister-Stil konsumiere und anfange, mich ausschließlich von Backfisch, heißer Fleischwurst und Lebkuchenherzen zu ernähren - wäre sicher keine gute Idee und würde meine einigermaßen erfolgreichen Abnehmversuche der vergangenen Wochen ad absurdum führen.
Durch die Medien habe ich bereits erfahren, dass in diesem Jahr das Bayernzelt schon sehr früh aufgebaut wird. Also höchste Zeit mal vor Ort zu erforschen, was sich dort tut. Am Nachmittag treffe ich mich mit drei rüstigen Ruheständlern aus der Familie, die einem Gang durch den Stadtteil, an dessen Grenze sie aufwuchsen, nicht abgeneigt sind. Auch im August gehen sie regelmäßig über die Kirmes, um zu schauen, Bekannte zu treffen und zu genießen. Kaum vor der Cranger Kirche angekommen, beginnen sie, in Erinnerungen zu schwelgen: wie es auf Crange früher war, als die Kirmeswagen vor ihrem Elternhaus an der Rathausstraße vorbei zum Platz zogen…
So viele Informationen, da komme ich kaum noch nach mit den Stichworten, die ich mit fliegendem Stift im Notizbuch festhalte. - Und was steht schon in voller Pracht mitten auf dem Platz, unweit des eingezäunten Areals des alten Luftschachts? Das Bayernzelt, und dahinter die vielen Anhänger, auf denen die mobile Festhalle verstaut und transportiert wird. So wie es von außen ausschaut, könnte dort der Rummel (fast) schon beginnen. Innen ist man noch nicht ganz so weit, noch ist die Bühne für Fassanstich und Musik nicht errichtet, Beleuchtung und Dekoration warten darauf, montiert zu werden. Aber das sind doch Kleinigkeiten!
Dennoch gibt es für die erstaunlich wenigen Arbeiter, die das Zelt aufbauen (das so allein auf dem Platz noch größer wirkt), noch genug zu tun. Während vor der wegen Reparaturen gesperrten Schleuse ein Schiff aus Holland anlegt und Hunde auf der Freifläche herumtollen, blitzt neben dem Zelt ein Schweißgerät auf. In der Nähe des Haupteingangs liegt noch ein großer Haufen Erde, der muss weg, sonst können dort keine Stände aufgebaut werden. Unterdessen drehen binnen 45 Minuten drei Fahrschulwagen ihre Runden auf dem Platz. Vielleicht könnte die Stadt den Kirmesplatz außerhalb der tollen Tage im August als Verkehrsübungsplatz vermieten?
Die Atmosphäre ist schon eigenartig, vor allem, wenn man an den hohen Masten mit den Strahlern (sind mir noch nie aufgefallen) emporblickt auf die grün-weißen Schilder, die auf Notwege hinweisen (sind mir auch noch nie aufgefallen). Aber wenn das Zelt schon steht, dann kann es wirklich nicht mehr lange dauern, bis es endlich losgeht. Und jetzt gehe ich auf den Markt und hole mir Backfisch, dann ist gefühlt schon wieder ein bisschen mehr Kirmes.