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Abbau ist nichts Schönes

18. August 2009

Von Silke Bender

abbau678_130Das große Jammern setzt spätestens Montagmorgen ein. Wenn man auf den Kirmesplatz kommt - und die Hälfte fehlt schon. Das Riesenrad, tagelang Blickfang der Szenerie, ist nicht mal mehr mit einer Gondel vertreten. Der Power Tower - seiner Spitze beraubt und ratz-fatz dem Boden gleich gemacht. Die Schienen der Achterbahn verlieren sich im Himmel. An den Geisterbahnen spukt es überhaupt nicht mehr, die Biergärten bieten keinen Platz mehr - und es duftet nicht mehr nach Mandeln, Mais oder einem halben Meter.

abbau676_130Wie traurig. Überall Müll und Dreck. Alle mit Abbau beschäftigt, die meisten haben die Nacht durchgeschuftet, müssen schnell ihren nächsten Platz erreichen. Der einzige Trost: Die Sonne scheint. Ich erinnere mich an Nach-Kirmes-Montage, an denen hat es geschüttet aus Eimern. Da hat selbst der Himmel geweint, dass Crange vorbei war.

abbau686_130Aber: Der Kirmesfan lässt sich so schnell nicht unterkriegen. Der meistgesagte Satz zum Schluss des fröhlichen Treibens nämlich lautet: “Also dann, bis in 355 Tagen!” Ist quasi übermorgen. Bestimmt.

Kirmesfolter: 20 Minuten am Eisstand

18. August 2009

Von Silke Bender

Ich bin eigentlich einigermaßen diszipliniert. Kleine Ausreißer mal beiseite gelassen (die hat ja jeder, vermute ich), ziehe ich das durch, was ich mir vorgenommen habe oder was auf der Agenda steht, freiwillig oder unfreiwillig.  Heute etwa will ich Blogs schreiben. Was tue ich? Blogs schreiben.

Back to the roots. Kirmessonntag, letzter Tag des Rummels. Da ich ein Crêpe-Fan bin, steht auf meinem Plan: Crêpe essen. Mit Nutella versteht sich, alles andere kommt mir nicht auf den Teig. Aufgrund einer der zahlreichen Abschiedsrunden am letzten Karusselltag, kommt es nun aber dazu, dass ich vor einem Eisstand stehe. Mit Richard, der einen Shake nimmt und uns auf ein Eis einladen will. Jutta ist begeistert, nimmt Erdbeer und Vanille, toll!  Silke sagt: “Nö, für mich nicht, ich will gleich mal einen Crêpe essen.” Kirsten kommt fünf Minuten später dazu - ein Eis? Oh ja, gerne, genau, mit Schokolade. Super. Silke wirklich nicht? Nein, Silke will gleich einen Crêpe essen!

Weitere fünf Minuten später lässt Richard, der die ganze Zeit mit der Besitzerin des Betriebs geplaudert hat, den Vanilleshake rumgehen. Müsst ihr probieren, schmeckt fantastisch. Hm. Gut, ein kleines Schlückchen, danach passt der Crêpe locker noch rein. Ist das lecker….

Die Viertelstunde ist voll, unser Standort: der Eiswagen. Wir schauen fasziniert dabei zu, wie ein Bataillon aus Waffeleisen automatisiert dünne Teigkreise produziert. Ein Mitarbeiter nimmt diese Fladen in Empfang und steckt sie in eine “Waffelrollmaschine”, aus der ordentliche, essbare Eishalter wieder herauspurzeln. Sagenhaft. Das ist noch Handwerk! Live zu sehen auf der Cranger Kirmes.

Nach 20 Minuten gebe ich auf. Sie ahnen es: Wir stehen - am Eisstand. Richard hat Unterhaltung Nr. 2 aufgenommen. Ich kann nicht mehr, ich will jetzt auch ein Eis. 19 Minuten lang vermag ich der köstlichen kalten Creme zu widerstehen - aber 20 ist Folter. Ehrlich!

PS: Total lecker war das Eis. Nur den Crêpe, meinen Abschieds-Crêpe, den habe ich nicht mehr geschafft.

Erschüttert über die Erschütterung

14. August 2009

Von Silke Bender

Die eigentliche Erschütterung (von der ich nun doch sprechen möchte, da ich sie überwunden habe) ereignete sich am Kirmesmontag. Ich fuhr ein Geschäft, das mir, der Mutigen im Pressebüro, ordentlich zusetzte. Nicht dass mir schlecht geworden wäre, nein, so schlimm war’s nicht. Aber ich fühlte mich wie eine heftigst zu Boden geschmetterte Kugel, mit dem Resultat, dass ich gar fürchterlich schrie, die Augen schloss und betete, es möge jetzt sofort vorbei sein.

spinnignracer175_150Nachhaltig irritiert war ich nach dieser Fahrt. Meine Kolleginnen können das bestätigen. Mehrere andere Personen ebenfalls, denen ich allen mein Leid klagte, nun, mit 40, wohl doch zu alt zu werden für die neue Generation von Fahrgeschäften. Welch’ ein trauriges Schicksal: Die High-Tech-Geräte der Zukunft, für mich nicht mehr fahrbar. Da kann ich meinen Job ja gleich an den Nagel hängen.

Also, die Erschütterung über meine eigene Erschütterung war groß. Und sie nagte an mir. Innerlich. Ehrlich. Zumal der Kirmesmittwoch dräute, erneut eine Pressekonferenz, erneut eine High-Tech-Herausforderung. Ich wollte kneifen. Kündigte an, auf keinen Fall mitzufahren.

Als ich vorm Geschäft stand, ging es dann hin und her. Fahre ich, fahre ich nicht. “Harmlos”, meinte der Besitzer. “Ich trau’ mich nicht”, ein Journalist. Wohin mit mir? In die billigen Zuschauerränge oder doch high in the air?

Ich habe es getan. Und ich bin soooooo froh, es getan zu haben. Meine Erschütterung ist vom zweiten harten Ritt quasi weg-erschüttert worden. Das Leben geht weiter. Und die Kirmes. Alles gut. Auch mit 40.

…auch mal monochrom

11. August 2009

Von Thomas Schmidt

Zugegeben, die Cranger Kirmes in der “Blauen Stunde” ist eine wahre Augenweide in Farbe. Prachtvoll erleuchtete Fahrgeschäfte auf dunkelblauem Hintergrund sind das “A & O” der Cranger-Kirmes-Imagebilder, wie wir sie kennen und mögen. Gestern Abend hatte ich die Gelegenheit auf und um dem Riesenrad “Bellevue” ein paar Schnappschüsse mit der “kleinen Kompakten” in monochrom zu schießen. Manche Fotos haben mich an alte Abzüge aus den 1950ern oder 1960ern erinnert. Aber sehen Sie selbst:

Der Klassiker:Kettenkarussell neben Riesenrad

Der Klassiker:Kettenkarussell neben Riesenrad

Vor dem "Flash"

Vor dem "Flash"

Vom Rieserad

Vom Rieserad

Blick zum Riesenrad

Blick zum Riesenrad

Kinderkarussell und "Revolution" im Hintergrund

Kinderkarussell und "Revolution" im Hintergrund

Vor dem Losverkauf

Vor dem Losverkauf

"Happy Sailor"

"Happy Sailor"

Aus der Gondel des Riesenrades

Aus der Gondel des Riesenrades

Vor dem Riesenrad

Vor dem Riesenrad

Riesenrad

Riesenrad

Dinner for One beim Kirmesumzug

11. August 2009

 

Von Christoph Hüsken

festumzug223_640Traditionen wollen gepflegt werden. Schließlich feiern wir seit Freitag die immerhin 574. Cranger Kirmes. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland ein Volksfest mit längerer Tradition gibt, aber ich werde hier nicht auf die Suche nach der Kirmes mit den am weitesten zurückreichenden Wurzeln gehen. Das kann ich ja machen, falls ich doch noch mal eine Doktorarbeit schreiben möchte.

 

Es gibt ja auch kleinere Traditionen, zum Beispiel Kirmesumzug gucken. Immer an derselben Stelle: Vor einem Herrenausstatter (Irgendwie mag ich diesen antiquierten Begriff) zwischen Hermann- und Lortzingstraße. Immer mit denselben Leuten: meine Eltern, meine Freundin, Verwandte, Bekannte. Immer mit dem demselben Ablauf: Herzliche Begrüßungen, Nachfragen, wer am Tag zuvor auf dem Platz war (Ich natürlich!) und wer wen getroffen hat.

 

Während der Zug an uns vorüberzieht, achten wir dann nicht nur auf die phantasievollen Kostüme und die originell geschmückten Wagen, sondern auch auf bekannte Gesichter im Zug. Mein Vater sieht – auch das eine Tradition – immer zuerst seinen Hausarzt als Mitglied eines Spielmannszugs: Ob er den Arzt wechseln würde, wenn das mal nicht so wäre? Meine Mutter erspäht zum Auftakt stets eine Dame aus der Gymnastikgruppe, oder ist es doch der Kirchenchor? Ich entdecke bekannte Leute aus diversen Vereinen und der Stadtverwaltung und warte neugierig darauf, wie der Wagen „meines“ Vereins aussieht. Ist er endlich da, folgt eine kurze Diskussion darüber, wie der Wagen geworden ist und natürlich fleißiges Winken.

 

Meine Freundin entdeckt traditionell niemanden, aber schließlich stammt sie nicht aus der Stadt und trägt es daher mit Fassung. Außerdem wird sie ganz traditionell von allen Seiten mit unheimlich vielen Informationen über die in dem bunten Lindwurm ausfindig gemachten Personen zugeschüttet. Irgendwie erinnert mich der feste Ablauf an „Dinner for One“. Das Kirmesumzug-Ritual ist bei uns immer gleich und gerade deswegen immer wieder wunderschön. So wie man sich auf den Klassiker im Fernsehen zu Silvester freut und darüber traurig wäre, wenn der trunkene Butler nicht mehr über den Tigerkopf stolpern würde – aber das passiert ja zum Glück nicht.

Alle auf den Füßen zum Festumzug

8. August 2009

Von Silke Bender

piraten605_150Ich scheine im Schreibfieber zu sein (siehe ersten Blog von heute direkt darunter). Dabei stehe ich am Stehpult, schon seit Stunden, so kommt es mir vor. Die Kollegin sitzt und bearbeitet Fotos wie eine Weltmeisterin. Ist immer so am Kirmessamstag, weil doch der Festzug am Morgen und Mittag durch Wanne wanderte. 4.400 Teilnehmer und 150.000 Zuschauer, das bedeutet für uns: viele Fotos. Nicht so viel Text, weshalb ich Blogs schreiben kann.

Ich glaube, ich drehe mich im Kreis, ich wollte eigentlich auf meine Füße hinaus, die tun jetzt nämlich weh. Vom vielen Stehen, am Cranger Tor beim Festumzug und nun am Stehpult, weil die Kollegin doch sitzt. Erwähnte ich das schon?

Ich bin froh, dass meine schmerzenden Füße nicht auch noch die gestrige Hitze erleiden müssen. Kaum auszudenken, wie die sich bei soviel Senkrechtstellung bei gefühlten 37 Grad entwickeln hätten. Wahrscheinlich zu kleinen Bällen. Trotzdem ist der Temperatursturz von gestern auf heute krass. Sagt mir mein Kopf, der dröhnt, und das liegt nicht etwa an alkoholischen Getränken.

Ich will nicht jammern. Auf dem Platz sieht es sehr gut aus. Viele Menschen schlendern durch die Gassen, hauen den Lukas, essen Mais und Eis, fahren Autoscooter, sitzen am Kanal, ziehen Lose. Die sehen alle zufrieden aus. Ob denen die Füße wehtun? Bestimmt nicht…

Es dreht sich grad zwei Stunden

8. August 2009

. . . und schon will wer die Besucherzahl wissen!

Von Silke Bender

Der Tag der Kirmeseröffnung ist immer wieder komisch. Da arbeitet man seit fast zwei Wochen auf dem Platz* - und plötzlich drehen sich die Karussells tatsächlich, die tagelang „nur” zusammengebaut, gewartet und gewienert wurden.
Irgendwie unwirklich, und definitiv gewöhnungsbedürftig. Weil da ja auch auf einmal eine Geräuschkulisse ist. - Aber so ist die Kirmes eben, jeden Tag anders, jeden Tag neu.

festzeltbesucher089_150Was gar nicht neu ist, ist die Neugier der Presse. Prophetische Kenntnisse muss besitzen, wer Öffentlichkeitsarbeit für diesen Rummel betreibt. Ich schildere konkreten Fall gerne näher: Gestern, gegen 16.15 Uhr, ich sitze im Pressebüro, die Eröffnungsveranstaltung wurde vor einer Viertelstunde beendet. Das Telefon klingelt, dran ist ein Reporter. Der will wissen, wie viele Besucher die Kirmes denn wohl am Eröffnungstag haben wird.
Hm, ja nun, offiziell dreht es sich ja hier erst seit zwei Stunden. Die Kirmesgasse vor meiner Nase ist gut gefüllt, aber alle anderen kann ich nicht einblicken. Und wie der Tag sich entwickelt, steht leider ebenfalls nicht in meinem Block. Die Erfahrungen aus den Vorjahren, da könne man doch sicher eine Zahl nennen, insistiert der Reporter schmeichelnd…
Um es kurz zu machen: Ich lasse mich auf eine 500.000 ein. Und siehe da: Die Polizei bestätigt am Samstagmorgen meine Prognose. El Fantadu, ich komme und steige ins Wahrsager-Geschäft ein!

* Das Team des städtischen Pressebüros der Cranger Kirmes besteht aus drei Damen - mir also und zwei Kolleginnen. Um das größte Volksfest in NRW gebührend zu vermarkten, richten wir uns mit allen erforderlichen Mitteln auf dem Festplatz ein, mitten zwischen den Schaustellern. Wir versorgen die Presse mit Informationen, beantworten den lieben langen Tag Fragen, richten Pressekonferenzen aus, spüren Geschichten auf.

Mission München

23. Juli 2009

Von Christoph Hüsken (Text und Bilder)

Blog-Autor Christoph Hüsken zückt die Cranger Fahne in München.

Eine private Reise hat mich dieser Tage nach München geführt. Dort gibt es bekanntermaßen ebenfalls ein großes Volksfest: das Oktoberfest, das im September beginnt. Irgendwie erinnert mich das an die russische Oktoberrevolution, die nach unserem gregorianischen Kalender im November stattfand. Haben die Bayern etwa auch einen anderen Kalender?

Um vor Ort in München auf die Cranger Kirmes aufmerksam zu machen, zücke ich am Fuße der Bavaria an der Theresienwiese eine mitgebrachte Cranger-Kirmes-Fahne, die das diesjährige Motiv des Rummels zeigt. Die Münchner ignorieren sie. Nur ein Tourist aus Hannover wird aufmerksam.
So ganz scheint die Geheimaktion, die bajuwarische Kapitale mit dem Crange-Virus zu infizieren nicht zu funktionieren. Ist unser in Herne viel diskutiertes Plakat etwa nicht auffällig genug? Oder erlaubt es das „Mir san mir“-Selbstbewusstsein der Münchner nicht, die Existenz anderer Volksfeste anzuerkennen?

Die Wiesn ist eigentlich ein Schotterplatz.Ich entscheide mich für Letzteres. Dafür spricht übrigens auch, dass das Oktoberfest gemeinhin „Wiesn“ genannt wird, sich die Theresienwiese aber als beeindruckend großer Schotter- und Asphaltplatz herausstellt. Aber zu sagen „Ich geh auf den Schotter“ würde sich wohl kein Münchner trauen. Das kann ich verstehen, es hört sich nicht gut an. Und außerdem sollte man es mit den Bezeichnungen von Festplätzen auch nicht zu genau nehmen. Auf dem Heiligengeistfeld, wo der Hamburger Dom zum Vergnügen lockt, ist der Namensgeber auch noch nicht gesichtet worden…

„Ich gehe im August auf Crange“, klingt auch ein wenig holprig. Mache ich aber trotzdem. Also, wir sehen uns!

Von der Kirmes zum Mond und zurück

17. Juli 2009

Von Christoph Hüsken (Text) und Thomas Schmidt (Fotos)

Ich benötige Phantasie. Irgendwie kann ich mir beim Rundgang über den Kirmesplatz noch nicht vorstellen, dass in knapp drei Wochen täglich Hunderttausende über das Gelände und durch die angrenzenden Straßen drängen werden. An den Wochenenden wird dann an einigen Punkten akute Staugefahr auf der Kirmes herrschen. Das erscheint mir im Augenblick aber noch so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Wie passend, wird doch dieser Tage in den Medien quasi rund um die Uhr daran erinnert, dass vor ziemlich genau 40 Jahren ein gewisser Neill Armstrong auf dem Erdtrabenten aus einer Mondlandefähre hüpfte und dabei etwas von einem kleinen Schritt erzählte. Doch das ist eine andere Geschichte. Ich mache einen Riesensprung zurück auf den Kirmesplatz.

aufbau_16_juli_005Langsam füllt sich die Freifläche. Aber in erster Linie stehen dort momentan noch die eindrucksvollen rollenden Wohnungen der Schausteller. Hinzu kommen einige Stromverteiler und Anhänger mit Material von Fahrgeschäften. So sammeln sich am klassischen Achterbahnstandort bereits die Utensilien, um den fünffachen Looping in den Cranger Sommerhimmel wachsen zu lassen. An einigen Stellen lässt sich aber schon erkennen, durch welche Wege die Menschenmassen schlendern werden. Kirmesarchitektin Sabine Marek hat mit ihrem Team am Boden bereits einige Standorte von Fahrgeschäften, Losbuden und Imbissbetrieben markiert. Das hilft mir dabei, vor dem inneren Auge die bunten Lichter und kunstvoll gemalten Fassaden der Schaustellbetriebe vorbeiziehen zu lassen.

aufbau_16_juli_008Noch übersteigt aber auf dem Platz die Zahl der neugierigen Fahrradfahrer, die derjenigen, die den Rummel in den kommenden Tagen erstehen lassen. Aber das wird sich jetzt ändern: Der Verpflegungsstand „Zum armen Ritter“ ist bald fertig. Er ist die Kirmeskantine, in der die fleißigen Helfer Essen fassen. Wenn er aufgebaut wird, ist es ein untrügliches Zeichen dafür, dass die heiße Aufbauphase bevorsteht. Und wenn ich dran denke, benötige ich plötzlich kaum noch Phantasie, um mir auszumalen, wie Tag für Tag mehr Puzzleteile auf dem Platz hinzukommen, bis die Kirmes dann am 7. August startklar ist. Der Countdown läuft.

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Atmosphäre mit Anekdoten

26. Juni 2009

Blogautor Christoph Hüsken

Von Christoph Hüsken

Gefühlt kurz nach Weihnachten hat die Vorfreude auf die Cranger Kirmes bei mir eingesetzt. Das ist ein wenig früher gewesen als üblich, aber diesmal bin ich ja auch wieder näher dran am Rummel am Kanal als in den Jahren zuvor (ich bin von Hamburg zurück ins Ruhrgebiet gezogen).

Inzwischen trinke ich im Büro seit Wochen aus einer Cranger Kirmes-Tasse die tägliche Ration an Tee (vormittags) und Kaffee (nachmittags). Fehlt nur noch, dass ich das Mineralwasser dazu aus einem bauchigen Glas im Steinmeister-Stil konsumiere und anfange, mich ausschließlich von Backfisch, heißer Fleischwurst und Lebkuchenherzen zu ernähren - wäre sicher keine gute Idee und würde meine einigermaßen erfolgreichen Abnehmversuche der vergangenen Wochen ad absurdum führen.

Durch die Medien habe ich bereits erfahren, dass in diesem Jahr das Bayernzelt schon sehr früh aufgebaut wird. Also höchste Zeit mal vor Ort zu erforschen, was sich dort tut. Am Nachmittag treffe ich mich mit drei rüstigen Ruheständlern aus der Familie, die einem Gang durch den Stadtteil, an dessen Grenze sie aufwuchsen, nicht abgeneigt sind. Auch im August gehen sie regelmäßig über die Kirmes, um zu schauen, Bekannte zu treffen und zu genießen. Kaum vor der Cranger Kirche angekommen, beginnen sie, in Erinnerungen zu schwelgen: wie es auf Crange früher war, als die Kirmeswagen vor ihrem Elternhaus an der Rathausstraße vorbei zum Platz zogen…

So viele Informationen, da komme ich kaum noch nach mit den Stichworten, die ich mit fliegendem Stift im Notizbuch festhalte. - Und was steht schon in voller Pracht mitten auf dem Platz, unweit des eingezäunten Areals des alten Luftschachts? Das Bayernzelt, und dahinter die vielen Anhänger, auf denen die mobile Festhalle verstaut und transportiert wird. So wie es von außen ausschaut, könnte dort der Rummel (fast) schon beginnen. Innen ist man noch nicht ganz so weit, noch ist die Bühne für Fassanstich und Musik nicht errichtet, Beleuchtung und Dekoration warten darauf, montiert zu werden. Aber das sind doch Kleinigkeiten!

Dennoch gibt es für die erstaunlich wenigen Arbeiter, die das Zelt aufbauen (das so allein auf dem Platz noch größer wirkt), noch genug zu tun. Während vor der wegen Reparaturen gesperrten Schleuse ein Schiff aus Holland anlegt und Hunde auf der Freifläche herumtollen, blitzt neben dem Zelt ein Schweißgerät auf. In der Nähe des Haupteingangs liegt noch ein großer Haufen Erde, der muss weg, sonst können dort keine Stände aufgebaut werden. Unterdessen drehen binnen 45 Minuten drei Fahrschulwagen ihre Runden auf dem Platz. Vielleicht könnte die Stadt den Kirmesplatz außerhalb der tollen Tage im August als Verkehrsübungsplatz vermieten?

Die Atmosphäre ist schon eigenartig, vor allem, wenn man an den hohen Masten mit den Strahlern (sind mir noch nie aufgefallen) emporblickt auf die grün-weißen Schilder, die auf Notwege hinweisen (sind mir auch noch nie aufgefallen). Aber wenn das Zelt schon steht, dann kann es wirklich nicht mehr lange dauern, bis es endlich losgeht. Und jetzt gehe ich auf den Markt und hole mir Backfisch, dann ist gefühlt schon wieder ein bisschen mehr Kirmes.